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Interview: Quality Assessment in der Internen Revision

Audicon im Gespräch mit Andreas Arntz

Wichtige Fragen zum Quality Assessment in der Internen Revision beantwortet uns Andreas Arntz, akkreditierter Quality Assessor beim Deutschen Institut für Interne Revision e.V. (DIIR).

Herr Arntz, die DIIR-Standards zum Thema Quality Assessment (QA) existieren bereits seit 2001. Wie aktuell ist das Thema?
Andreas Arntz:
Aktueller denn je. Die Verpflichtung, alle 5 Jahre ein Quality Assessment durchzuführen und der Leitfaden des DIIR sind schon lange etabliert - bisher haben das aber nur verhältnismäßig wenige, große Revisionen auch umgesetzt. In letzter Zeit jedoch mehren sich bei uns die Anfragen zur Durchführung von QAs – auch von kleineren und mittleren Revisionen.

Audicon: Woran liegt das? Worin ist das zunehmende Interesse begründet?
Andreas Arntz:
Die Strukturen einer guten Corporate Governance werden seit Jahren stärker formalisiert, in Deutschland insbesondere seit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG). Danach braucht eine börsennotierte AG eine nachgewiesen wirksame Interne Revision. Dieser Anspruch des Aktienrechts wirkt sich auch auf Organisationen anderer Rechtsformen aus und ein Quality Assessment ist ein geeignetes Instrument, ihn zu erfüllen.
Als Antwort auf die zunehmende Nachfrage haben das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) mit dem EPS 983 und das DIIR im Juli 2016 einen gleichlautenden Standard zur Prüfung von Internen Revisionssystemen vorgestellt, der das QA nach dem etablierten DIIR-Leitfaden zum Inhalt hat.

Audicon: Das IDW hat die Inhalte des DIIR-Standards nahezu vollständig übernommen. Wie bewerten Sie diesen Schritt?
Andreas Arntz:
Zunächst ist die enge Zusammenarbeit des DIIR mit dem IDW ein Zeichen für die weiter zunehmende Professionalisierung der Internen Revision und die wachsende Bedeutung hochwertiger Revisionsarbeit auch für die Unternehmensleitung. Die Übernahme in den IDW-Standard stärkt zudem die Bedeutung der internationalen Standards und der Inhalte des QA-Leitfadens des DIIR - diese Kriterien für gute Revisionsarbeit sind damit quasi unangefochten.

Audicon: Was wird sich dadurch verändern in den Quality Assessments der nächsten Jahre?
Andreas Arntz: Der IDW-Einfluss hat auch eine weitere Tendenz zur Formalisierung der Prüfung gebracht, z. B. im Hinblick auf das Vorliegen einer exakten Beschreibung des Revisionssystems. Der IDW-Standard wird einen gewissen „Druck“ auf Geschäftsleitungen entwickeln, ihre Organisation danach prüfen zu lassen. Wir gehen davon aus, dass Quality Assessments der Internen Revision künftig noch häufiger durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften durchgeführt werden. Außerhalb von börsennotierten Unternehmen ggf. sogar durch den Abschlussprüfer, der ja ohnehin schon im Hause ist. Ob eine Revision das möchte, hängt auch von den Zielsetzungen ab, die mit dem QA verfolgt werden.

Andreas Arntz

Andreas Arntz

Andreas Arntz ist Geschäftsführer der HORIZON5 GmbH und als Certified Internal Auditor für das Beratungsangebot der Audicon GmbH verantwortlich.

Audicon: Welche Zielsetzungen unterscheiden Sie genau?
Andreas Arntz:
Zunächst liefert ein Quality Assessment eine unabhängige Standortbestimmung: Wie ist die Qualität der Revisionsarbeit gemessen an den Standards und im Vergleich zu anderen Revisionen einzuschätzen? Neben der angesprochenen Compliance-Funktion dieser Standortbestimmung, also dem Signal an Geschäftsleitung, Aufsichtsrat, Regulatoren oder Eigentümer, dass die Revision wirksam ist, sollte das ursprüngliche Ziel nicht vergessen werden: Empfehlungen für die nachhaltige Verbesserung der Revisionsleistung zu erhalten. Wem es darum geht, die Revisionsarbeit auf Basis des QA zu verbessern, der wird sich eher nicht für das Quality Assessment durch seinen Wirtschaftsprüfer (WP) entscheiden.

Audicon: Was könnte dagegen sprechen, das Quality Assessment durch seinen vertrauten Abschlussprüfer durchführen zu lassen?
Andreas Arntz:
Hier kann ein Interessenskonflikt bestehen: Im risikoorientierten Prüfungsansatz spielt die Qualität des Internen Kontrollsystems (IKS), dessen Teil die Interne Revision ist, eine wichtige Rolle. Wenn der Abschlussprüfer im Rahmen eines QAs bestimmte Aspekte der Revisionsarbeit in Frage stellt, erschwert er sich möglicherweise die Abschlussprüfung. Echte Verbesserungspotentiale aus einem unabhängigen und kritischen Quality Assessment lassen sich unter dieser Prämisse nur schwer generieren.

Audicon: Also lieber gar kein Quality Assessment als ein Quality Assessment durch den Wirtschaftsprüfer?
Andreas Arntz:
Wenn das Ziel des QAs lediglich darin besteht eine positive Bestätigung der Einhaltung von Standards zu erhalten, dann sehe ich hier kein Problem in der Beauftragung des WPs. Die Revision ist jedoch gemäß den Standards verpflichtet, sich kontinuierlich zu verbessern. Sie benötigt eine hohe Durchführungsexzellenz. Nicht nur, um tatsächliche Missstände und Risiken aufzudecken, sondern auch um in der Rolle als interner Kritiker von allen potentiellen Gegenstimmen vollständig akzeptiert und respektiert zu werden. Diesen hohen Qualitätsanspruch kann eine Revision nur erfüllen, wenn sie sich - auch durch externe Prüfungen - beständig verbessert. Revisoren sind daher gut beraten, im Rahmen des Quality Assessments echte und konstruktive Kritik einzuholen.

Audicon: Wie finde ich den für meine Revision passenden Quality Assessor?
Andreas Arntz:
Die Revisionswelt ist noch immer gut zu überschauen. Über das DIIR erhält man die Liste der „anerkannten Prüfer für Interne Revisionssysteme“: Die Anerkennung ist Voraussetzung für ein Quality Assessment nach dem DIIR-Standard. Der Standard selbst macht auch einige Vorgaben zu Erfahrung, Fach- und Branchenkenntnis, die bei der Auswahl zu beachten sind. Nicht zuletzt sollte ich einen Assessor auswählen, der zu mir passt – von dem ich mir (als Geschäftsleitung oder Revisionsleitung) auch Kritisches sagen lassen und dessen Empfehlungen ich beherzigen würde.

Audicon: Vielen Dank für das Gespräch!