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Interview "Die E-Bilanz"

Audicon im Gespräch mit Prof. Dr. Christian Zwirner

Wichtige Fragen zur elektronischen Bilanz – beantwortet vom E-Bilanz-Experten Prof. Dr. Christian Zwirner, Geschäftsführer der Dr. Kleeberg & Partner GmbH, München/Hamburg

Audicon: Mit welchem Ziel hat die Finanzverwaltung die elektronische Bilanz (E-Bilanz) eingeführt?
Prof. Dr. Zwirner:
Die E-Bilanz soll als zentrales Kommunikationsmedium zwischen der Finanzverwaltung und dem Steuerpflichtigen fungieren. Die Finanzverwaltung will mit der E-Bilanz bürokratische Hürden abbauen und das Verfahren der Steuererhebung erleichtern. Weiterhin soll die E-Bilanz für die Finanzverwaltung als Risikomanagement-System dienen, um eine gezielte Auswahl von Unternehmen bzw. Sachverhalten und Prüfungsfeldern zu treffen, die einer Betriebsprüfung unterzogen werden.

Audicon: Welche Unternehmen müssen eine elektronische Bilanz erstellen?
Prof. Dr. Zwirner:
Grundsätzlich müssen alle steuerpflichtigen Unternehmen, die nach den Vorschriften des HGB oder § 141 AO buchführungspflichtig sind oder die freiwillig Bücher führen und regelmäßig Abschlüsse aufstellen, eine E-Bilanz übermitteln.

Audicon: Können Steuerpflichtige auf die Abgabe einer E-Bilanz verzichten?
Prof. Dr. Zwirner:
Ist die Abgabe einer elektronischen Bilanz aus persönlichen oder wirtschaftlichen Gründen unzumutbar, kann ein Härtefallantrag gestellt werden. Wird dieser vom Finanzamt abgelehnt, ist eine E-Bilanz zwingend zu übermitteln. Erfolgt die Übermittlung nicht, kann die Finanzverwaltung ein Zwangsgeld von bis zu 25.000 EUR erheben. Aber auch die Festsetzung des Zwangsgeldes befreit den Steuerpflichtigen nicht von der Pflicht zur Abgabe einer E-Bilanz.

Audicon: Die ersten E-Bilanzen wurden bei den meisten Unternehmen bereits übermittelt. Welchen aktuellen Herausforderungen müssen sich Steuerpflichtige beim Thema E-Bilanz stellen?
Prof. Dr. Zwirner:
Neben der laufenden und jährlichen Überarbeitung der Taxonomie entfallen für Geschäftsjahre, die nach dem 31.12.2014 beginnen, zahlreiche Erleichterungen. Hervorzuheben sind dabei die Änderungen, die sich bei Personengesellschaften ergeben. Diese müssen ab dem Veranlagungszeitraum 2015 zusätzlich zu den bisherigen Informationen eine Kapitalkontenentwicklung auf Gesellschafterebene übermitteln. Weiterhin müssen auch Sonder- und Ergänzungsbilanzen in eigenen Datensätzen bereitgestellt werden. Dies bedingt in der Praxis einen regelmäßigen Anpassungsbedarf bei den bisher bestehenden Prozessen.

Audicon: Welche Daten werden mit der E-Bilanz übermittelt?
Prof. Dr. Zwirner:
Der Umfang der zu übermittelnden Daten hängt wesentlich vom Unternehmen ab. Unterschieden wird dabei insbesondere zwischen Körperschaften, Personengesellschaften und Einzelunternehmen. Im Rahmen der E-Bilanz werden Bilanz, GuV, Stammdaten (GCD-Bereich) sowie ggf. weitere Pflichtbestandteile (z. B. Kapitalkontenentwicklung, steuerliche Gewinnermittlung etc.) an die Finanzverwaltung übermittelt. Neben den Pflichtbestandteilen können zusätzlich weitere – freiwillige – Informationen der E-Bilanz beigefügt werden. Dies kann teilweise im Datensatz erfolgen (z. B. die Eingabe von Informationen zum Anlagenspiegel) oder der E-Bilanz-Datensatz kann um externe Dokumente (z. B. PDF-Dateien) erweitert werden.

Prof. Dr. Christian Zwirner

Prof. Dr. Christian Zwirner ist Experte für Grundsatzfragen der (inter)nationalen Rechnungslegung, der Konzernrechnungslegung (HGB/IFRS), sowie für Unternehmensbewertungen bei Dr. Kleeberg & Partner GmbH

Audicon: Welche Varianten bestehen für die Übermittlung einer E-Bilanz?
Prof. Dr. Zwirner:
Bei der Abgabe der E-Bilanz ist insbesondere zu unterscheiden, ob Abweichungen zwischen der Handels- und der Steuerbilanz bestehen:

  • Existieren keine derartigen Abweichungen, entspricht die Handelsbilanz also der Steuerbilanz, ist diese (Einheitsbilanz) an die Finanzverwaltung zu übermitteln.
  •  Weichen die steuerliche und die handelsrechtliche Rechnungslegung beim Unternehmen voneinander ab, hat das Unternehmen ein Wahlrecht:

    • entweder es übermittelt eine eigene Steuerbilanz oder
    • es übermittelt eine Handelsbilanz einschließlich einer steuerlichen Überleitungsrechnung.

Welche Variante bevorzugt wird, hat das Unternehmen selbst zu entscheiden.

Der Experte rät: Die elektronische Bilanz und die Steuererklärungen müssen im Einklang stehen. Stellen Sie daher die Konsistenz der Daten sicher! Dies gilt auch, wenn z. B. geänderte Steuererklärungen eingereicht werden.

Audicon: Welche Anforderungen sollte ein Tool zur Übermittlung der E-Bilanz erfüllen?
Prof. Dr. Zwirner:
Ein E-Bilanz-Tool stellt einerseits die technische Möglichkeit dar, eine E-Bilanz zu übermitteln. Andererseits dient es der Erstellung einer regelmäßigen Steuerbilanz unter Berücksichtigung der Taxonomie. D. h. es wird für das Kontenmapping sowie zur Überleitung von den handelsrechtlichen Werten auf die Steuerbilanz herangezogen. Daher sollte das Tool die Anpassungen (Kontenmapping/Anpassungsbuchungen) komfortabel und nachvollziehbar ermöglichen. Weiterhin sollte sowohl für die Anpassungsbuchungen als auch für die Daten des GCD-Moduls (Global-Common-Document-Modul oder Stammdaten-Modul) die Möglichkeit bestehen, die Daten mit dem Jahreswechsel vorzutragen, um den Aufwand für die erneute Eingabe zu vermeiden bzw. zu vermindern. Darüber hinaus sollte das Tool erlauben, ein bereits vorgenommenes Kontenmapping auch auf das Folgejahr bzw. andere (Konzern-)Gesellschaften mit dem gleichen Kontenrahmen zu übertragen.

Audicon: Worauf ist bei der Übermittlung der E-Bilanz und dem damit verbundenen Einsatz von externen Beratern zu achten?
Prof. Dr. Zwirner:
Zunächst muss der Bilanzierende entscheiden, ob er die E-Bilanz selbst erstellt und an die Finanzverwaltung übermitteln möchte oder ob dies durch den steuerlichen Berater erfolgen soll. Sofern er sich für die eigenständige Erstellung und Übermittlung entscheidet oder steuerliche Sachverhalte in der Buchhaltung direkt abgebildet werden sollen, muss grundsätzlich eine Abstimmung zwischen dem Unternehmen und dem IT-Dienstleister erfolgen. Die technische Umsetzung von Abweichungen zwischen der Handels- und der Steuerbilanz in der laufenden Buchhaltung sollte dabei im Vordergrund stehen.

Entscheidet sich das Unternehmen für eine eigenständige Übermittlung der E-Bilanz, müssen die Erstellung einer XBRL-Datei sowie eine entsprechende Übermittlungsmöglichkeit sichergestellt sein. In diesem Zusammenhang muss gewährleistet sein, dass die E-Bilanz-Software auf dem aktuellen Stand ist, sodass einerseits die aktuelle Taxonomie-Version angewendet werden kann und andererseits die Übermittlung über die jeweilige gültige ERiC-Schnittstelle möglich ist. Der spezifische Beratungsbedarf im Zusammenhang mit der Auswahl und dem laufenden Customizing der E-Bilanz-Software hängt von vielen unternehmensindividuellen Faktoren ab und geht damit über die reine Software-Lösung hinaus.

Ein Zwischenfazit zum Thema E-Bilanz: Es gibt kein Patentrezept! Die elektronische Bilanz ist von Unternehmen zu Unternehmen individuell abzustimmen. Eine E-Bilanz „auf Knopfdruck" wird es in der Regel nicht geben.

Blog-Autorin: Antje Blum

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